01 November 2009

Grand Jorasses: Croz Pfeiler - Grand Pillier d'Angle: Cecchinel-Nominé / Boivan-Vallencant

Café-Runde oder doch General Suffering?

Schon lange spechteten David und ich auf ein verlängertes Wochenende in Chamonix, bei dem Zeit, Wetter und Verhältnisse passen sollten. Zur Akklimatisierung die Slowenen-Route am Croz-Pfeiler, danach rüber zum Pilier d'Angle zur Cecchinel-Nominé. Unser Plan wurde von Freunden bislang nur mit einem spöttischen Lächeln quittiert - wir wollten es aber einfach mal versuchen. Irgendwann kam dann aus unserer Ferndiagnoseeinrichtung aus dem Bauch grünes Licht. Kurz vorher gesellte sich noch der Flo hinzu. Also ein flotter Dreier und überhaupt konnte man sich dann das Gepäck besser aufteilen und sich beim warten am Stand besser die Zeit vertreiben. Aber was wird für die vier geplanten Tag mitgenommen?!? Packrätsel und -tetris an der Zahnradbahn nach Montenvers...
Während es unten doch recht kühl war...
...war der Zustieg zur Grand Jorasses nur im T-Shirt möglich.
Herbstliche Inversion :-)

Unser Biwak richteten wir ganz gemütlich direkt in der Einstiegskluft ein. Was wir nicht bedachten: die nächtliche Spindrift bestimmte stark die nächtliche Liegeposition und sorgte für regelmäßige Abkühlung bzw. einer einseitigen Nacht - mit dem Kopf zum Tal gings...

Flo bereits im mittleren Eisfeld. Bis hierher sicherten wir die letzten zwei Längen, der untere Teil lies sich bestens im Trittfirn klettern.
Inzwischen erläuchtete die Sonne auch schon die Aiguilles.
Wow, der Felsriegel unterhalb des letzten Eisfeldes. Etwas gruselig sah er erstmal schon aus...
...aber er bot drei Längen geniale Mixedkletterei über dünnes Eis und schönen Fels.


Jetzt kam der letzte Akt. Über eine Rinne gings links hoch zu einer kleinen Scharte zurück an den oberen Croz-Pfeiler. Zuerst schöne Felskletterei, danch noch leichtes Kombigelände...
...ehe wir über ein Bandl unter dem steilsten Teil nach rechts querten. Irgendwie wars im Führer etwas verwirrend beschrieben, aber es löste sich doch recht gut aus.
David spielt sich in der letzten schweren Länge: WI4-Dünneis mit mässiger Absicherung. Kann aber alles weggestanden werden...
In der Scharte rechts unterhalb der Pointe Croz erblickten wir zum ersten mal die Sonne. Schnell eine Länge abgeseilt und erstmal eine verspätete Mittagspause eingelegt. Ja, äh, dort drüben wollten wir dann morgen hin?!?!

Der Abstieg von der Grand Jorasses nach Süden gestaltete sich im oberen Bereich durchaus als trickreich: der direkte Abstieg gen Tal führte reichlich indirekt über den Gletscher.

Aufgrund des nicht vorhandenen Wassers auf dem Rif. Boccaletta zogen wir weiter ins Tal. Wir hegten noch Hoffnungen auf eine Pizza, schließlich waren wir doch in Italien. Na ja, es kam nur noch zu einem Bier, denn in dem kleinen Kaff Planpincieux war echt nix mehr los. Dafür wurden wir bei der Suche eines überdachten Schlafquartiers fündig, inklusive fliessendem Wasser und Schlitten...
Am nächsten Morgen humpelten wir die erste halbe Stunde runter zur Seilbahn rauf zur Turiner Hütte. OK, wenn schon keine Pizza in Italien, dann wenigstens ein Cappocino!
Eine halbe Stunde später standen wir dann auf dem Highway im Hochgebirge. Leider war damit bald Schluss: T-Kreuzung mit Feldweg... Der Hauptweg ging zur Tour Ronde, ein kleiner Teil zum Capucin und eine verblasen Spur Richtung Cirque du Maudit. Keiner Unterwegs bei dem genialen Wetter?!?!?
Na gut, dann wird doch selber gespurt. Am Col Moore kam unsere Ziel dann zum ersten Mal ganz ins Blickfeld: so viele schöne Eiscouloirs!

Ganz im linken Teil stiegen wir ein und mussten erstmal über den ganzen Brüchen zum Einstieg rüberqueren. Wir dann in die richtige Rinne eingebogen, folgen absolut geniale Eismeter in einem gigantischen Ambiente. Wie wir es uns gewünscht hatten...

Irgendwann wurds dann doch richtig steil. Flo gibt sich den kurzen Eisschlauch, bei dem wir nun zwei Möglichkeiten hat: a) am Ende der Stufe im lockeren Schnee baden und beten oder b) lieber dann doch die Hakl im linken Riss für eine kurze 4m A1-Einlage verwenden. Ging so deutlich besser!
Nach einer weiteren Länge verliessen wir die markante Rinne und durch schönes Mixedgelände erreichten wir bei langsam verblassendem Tageslicht die Ausstiegsvariante der Boivin-Vallencant.


Über vier schöne Eis-Längen kam schliesslich das Firnschild und dann kletterten wir nicht nur dem Mond entgegen, sondern auch dem Ausstieg.
David kannte noch vom Vorjahr einen herrlichen Biwakplatz am Gipfel des Pilier d'Angels auf der Freney-Seite: geebnete Liegefläche für drei Personen, Blick vom Wallis übers Mittelmeer zu den Freney-Pfeilern und alles schön geschützt überdacht. Lediglich der Wasser- bzw. Schneeanschluss wäre zu verbessern... Aber wir wollen uns jetzt nicht beschweren.


Am nächsten Morgen warteten nur noch knappe 600hm und ein gemütlicher Abstieg zu irgendeiner Bahn auf uns. Denkste...
Der obere Peutery-Grat war richtig Blank, so dass wir uns doch wieder fürs Seil entschieden. War zwar etwas langsamer, aber auch nervenschonender. Doch der zeitlich limitierende Faktor war jetzt wohl eher die Höhe und, ja äh, unsere etwas ausgelaugten Haxn... ;-)
Nach 4.5 h Standen wir endlich gaaaaanz oben. Wenn das mal kein guter Schnitt ist? 130hm in der Stunde...

Auf den Weg rüber zur Midi mit seinen Gegenanstiegen hatten wir alle keine Lust mehr. Also hopp, runter über den Bosses-Grat auf der Autobahn. Einer der wenigen Menschen, die wir trafen eröffnete uns bereits am Vallot-Biwak, dass auch die Zahnradbahn nicht mehr ging.... An der Gouter-Hütte überlegten wir uns bei einem Süppchen, wie wir es anstellen konnten, uns den Abstieg zu ersparen. Die Helis waren hier doch eh umsonst... Schade, einen richtigen Vorwand konnte keiner liefern, also weiter...
Nach fast 4000 Tiefenmetern und 4.5 h später kamen wir dann doch endlich in Les Houches an. Während wir auf den Bus zurück nach Chamonix warteten, konnten wir unseren ersten Hunger in dem kleinen Laden gegenüber stillen. Nachdem der Bus schon 20min Verpätung hatte, stellten auch wir endlich fest: kein Service an Sonntagen - wie z.B. heute... Taxis hatten heute auch keine Lust zu fahren, so wurde David von einem anderen Kunden in der Boulangerie nach Chamonix gefahren, um dort das Auto zu holen. Merci!!!!
Angesichts unseres Zustandes zurück in Chamonix und der verdrückten Mengen an Mokka-Saft war die Aktion doch eher dem General Suffering zuzuordnen ;-)

Facts

Slowenen Route / Croz-Pfeiler (V 5.M, 1000m)
Grand Jorasses

Wohl inzwischen die "klassische" Nordwandroute im Winter am Croz-Pfeiler. Sie bietet in den unteren 2/3 richtig gute Eiskletterei garniert mit kürzeren, steileren Passagen. Oberes 1/3 dann zurück am Croz-Pfeiler (Slowenen-Ausstieg sah noch uneinladender aus...). Zwei Längen nach der markanten Scharte querten wir über ein kleines Bandl in eine Rinne nach rechts, über die man super auf den Gipfelgrat gelangt.
Ab hier wird 4/5x abgeseilt und dann den Normalweg runter.

Material: 6 kürzere und mittlere Schrauben, 1 Satz Link-Cams, C3s, 8 Expressen, 50m-Seile
Zeiten: Zustieg: 5h - Biwak: 12h - Wand: 9h - Abstieg: 6h


Cecchinel-Nominé - Boivin-Vallencant Var. (V 5/A1.900m)
Grand pilier d'Angle

Durch den abgelegenen Zustieg bieten die Touren an dieser Ecke des Mt. Blanc's ein tolles Ambiente. Vor allem wenn man dann mal live am Col Moore der geniale Nordwand des Pilier d'Angels gegenübersteht und die ganzen Eislinien sieht, kommt Freude auf.
Diese Routenkombination verbindet geniale Eiskletterei mit einem sicheren Durchstieg, da man sich hier immer weit genug aus der Schusslinien des oberen Gletschers befindet. Als Krönung (für die Pumpe...) führt der Weg zurück ins Tal über den Mt. Blanc...

Material: 6 mittlere und kürzere Schrauben, 1 Satz Link-Cams, 8 Expressen
Zeiten: Zustieg: 4h - Wand: 9h - Biwak: 7h - Mt. Blanc: 4.5h - Tal: 4.5h

Topos: Neige, Glace et Mixed - Francois Damilano, Vol. 1 + 2

10 Oktober 2009

Schleier - Wassermusik, Erbe der Väter


Wassermusik (8b+)

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Corny

Tom

Wastl



Das Erbe der Väter (8c+)
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Robin

Ein paar frühere Buidl vom Weißes Wunder gibts a no...

Ein Video vom Tom bei einem früheren Versuch gibts noch von Henry Wurzer.

30 September 2009

Nordpfeiler - Spritzkarspitze

Grad aus dem Kaiser zurück, kommt ein Anruf vom Andi ins Haus geflattert, weil er noch mal den vielleicht letzten Tag vor der nächsten Kaltfront - und dem ersten Schnee?!? - nützen wollte, um im Karwendel noch was zu klettern. Die anvisierten Touren an den Lalliderern erschienen uns derzeit für eine Tagesaktion ohne Nachtschicht zu lang - oh, wir Weicheier ;-) - und so entschieden wir uns für den Nordpfeiler der Spritzkarspitze, der aus dem großen Ahornboden durchaus beeindruckend rauswächst.

Bis zum Brotzeitstoa gehts gemütlich, danach quert man weglos rüber zur Einstiegsschulter des Vorbaus. Inzwischen erfuhr ich auch, dass so manch hartgesottener Karwendelkletterer diesen Teil als durchaus eindrücklich in Erinnerung hatte bzw. gleich wieder umgekehrt sind...
Der Anfang ging noch Richtig gut - passt scho! OK, net zu früh gefreut. Im letzten Drittel wartet dann doch noch der Spaß... ;-)
Auf der oberen Schulter gehts dann nur noch über einen Grasgrat zum Einstieg hoch. Ha, von wegen nur die Allgäuer hätten so herrliche Steilgrasklettereien im Angebot!
Aber erstmal die ersten Längen in der wärmenden Morgensonne genießen. Kühl wirds noch früh genug, und brüchiger leider auch. Aber in der ersten Längen machts schon mal richtig Spaß!
Inzwischen liegt auch schon die schwierigste Länge hinter uns - und auch der feste Fels... Aber passt no, schließlich kann man in so schönen Kamin-Verschneidungen wunderbar ausspreizen.

Andi startet in den oberen kurzen Quergang. Im Prinzip ist die Linie ziemlich logisch und verläuft immer den absicherungsfreudigen Strukturen hinterher.
Drüben, Richtung Lampsenspitze scheint die Sonne, sonst merkt man deutlich den herbstlichen Sonnenstand.
Ach ja, da war ja noch die letzte Länge... Man kann den Kamin echt gut hochspreizen - aber entsprechend auch schlecht absichern. Hin und wieder wird vom Vorsteiger auch noch ein Steinchen runtergeschmissen, um der aussergewöhnlichen Felsqualität noch Nachdruck zu verleihen.
Danach ist der Teil II absolviert und man befindet sich in dem markanten Schuttkessel. Da der Weg bekanntlich über den Gipfel führt, gehts in Teil III weiter über den Nordgrat. Ein wirklich eindrücklicher Karwendelgrat in tollem Ambiente. Auch wenn der Fels vööööllig unerwartet brüchige Passagen aufweist, hats richtig Spaß gemacht.

Oben angekommen begrüßt uns endlich wieder die Sonne. Auch wenn im Hintergrund der lärmende Ahornboden liegt, so ist es immer wieder gewaltig, auf einem dieser einsamen Karwendelberge zu stehen und die Ruhe zu genießen.
Jetzt folgt noch der Weiterweg über die Eiskarlspitze in die Hochglückscharte. Danach heisst's runterschottern, bis die Knie rauchen. Schöner wird der Abstieg eigentlich nur noch im Winter ;-)

Im Abstieg kommt der Nordpfeiler der Spritzkarspitze wieder ins Bild.
Facts
Nordpfeiler [6+, 470m, Gesamt mit Vor- und Nachbau ca. 900hm]
Spritzkarspitze, Karwendel

Wie heisst's so schön im Panico: Der Nur-Kletterer ist hier fehl am Platz. In Verbindung mit dem Vorbau, dem Ausstieg über den Nordgrat, sowie der Abstieg übers Hochglückkar wird ein richtig gutes Alpinprogramm geboten. Im Anspruch vergleichbar, aber etwas weniger ernst als die Touren an den Lalliderern. Zur Absicherung dienen lediglich ein paar Haken zwischendurch. Somit bleibt reichlich Raum für eine intuitive Routenfindung.

Material: 1 Satz Rocks, Friends WC #0.5 - 3.5, evtl. Hammer+Hakl für den Notfall sinnvoll

Topo: Panico - Karwendelgebirge, AV-Führer Karwendel

28 September 2009

Potzblitz - Fleischbank

Zwischen der Dülfer und der Rebitsch-Spiegel zieht an der Fleischbank eine markante Rissspur komplett rauf. Potzblitz, so a scheena Riss! Von der Tour blieb mir aus dem alten Topo-Führer vom Kaiser ein Bild vom Michi Hoffmann in der ersten Länge in Erinnerung. Dass ich aber da mal selber zum Zuge komm, hätt ich damals nicht gedacht. Zusammen mit'm Basti liebäugelten wir schon recht lang auf die Tour. Nach einem Telefonat war er auch gleich zu begeistern. David war dann auch gleich dabei, vor allem da die Schneiderfahrt letztes Woche im Irschenberger McCafé Aufgrund der überaus gesättigten Luftfeuchtigkeit endetet.
Taugen eigentlich Crocks für den Abstieg? Basti wollts mal testen...
Bei einem flotten Dreier darf immer einer dran glauben, während die restlichen Zwei von unten im Idealfall durch aufmunternte Zurufe dafür sorgen, dass deren Toprope oben ankommt bzw. einfach nur dumm daherschwätzen... Hier triffts den Basti in der ersten Länge. Aber mit drei willkommenen Hackl und ein paar guten Placements lässt sich die erste Länge gut klettern.
Basti startet in die zweite Länge...
...dann in die Dritte. Nachdem die absicherungstechnisch schwierigste, erste Länge absolviert wurde, folgen nur noch schöne Risse in allen Breiten und Unbreiten.
Fürn Basti ist die Arbeit heute getan. Jetzt wird nur noch entspannt nachgestiegen.
David und ich knobeln - mir bleiben die letzten Längen.
Auf den David wartet eine lange Länge mit zwei etwas mühsam zu kletternden Stellen. Aber er hat noch ein Lächeln für uns übrig...


Eine leichte Länge führt zusammen mit der Rebitsch-Spiegel zum letzten Part. David freut sich schon über den steilen Riss. Wie viel man hier wohl klemmen kann??

Die letzte Länge startet gleich mal etwas kraftig, löst sich aber super auf. Danach gehts über eine Rissverschneidung hoch zum Stand.
Na, dann bleibt mir doch glatt noch die letzte Länge - welch gemütlicher Tag ;-) Kurz zwei Leisten herzwicken, dann gehts wieder in einem abartig wasserzerfressenen und griffigen Riss rauf. Das Ende ist noch mit ein paar Wasserrinnen dekoriert - genial!
Nach einem kurzen Sprint über den Nordgrat hocken wir bald am Gipfel. Falls no jemand das Topo der Tour sucht, wird hier im Gipfelbuch fündig. Nachdem die letzten Balisto-Vorräte geplündert waren, lockten bald die Hopfenkaltschalen der Griesner Alm.

Ach ja, der Basti war über die Alpintauglichkeit der Crocks überaus begeistert...!

Facts
Potzblitz [8-, 260m]
Fleischank, Wilder Kaiser

Steile, geniale und teils ganz schön rauhe Risstour. Am anspruchsvollsten fanden wir die erste Länge, der Rest lässt sich dann nervenschonden absichern. Vor allem die letzten beiden Längen sind noch einmal das Sahnehäubchen.
Die erste Länge schmücken drei Hakl, danach sind maximal ein bis zwei pro Länge zu finden. An den Ständen stecken meist ein alter Bolt+Hakl, die aber meist durch Mobiles gut aufgerüstet werden können.

Material: ~10 Expressen, 1 Satz Rocks, Cams #.3 - 3/4

Topo: Panico - Wilder(er) Kaiser oder hier

27 September 2009

Die Nase - Urlkopf

In einer sonnigen Bar beim Mittagsratsch mit'm Dirk kam uns die Idee mit der Nase am Urlkopf. Also am Sonntag reingedüst auf die Loferer Alm um am Parkplatz wieder die üblichen Verdächtigen zu treffen.
Zustieg durch Abstieg, äh Abseilen. Mit Flip-Flops gings dann rüber zur Nase.Hier lässt sichs in der Sonne und bei dem Panorama super aushalten. Und viel los ist heut auch nicht. Perfekt :-)
Wo ein Riss, ist auch ein Weg - dem Motto folgt die Tour bis zum Dach. Und man wird nicht enttäuscht.
Die zweite Länge startet gleich mal mit einem netten Fingerriss, dem dann griffiges und feuchtes Gelände folgt. Schon hier kommt man bereits voll in den Genuss der steilen Wand.

Gut aufgewärmt gehts in die Schlüssellänge. Sah zuerst nach leichter, grossgriffiger Risskletterei aus mit bösem Ende. Doch dem war nicht so: hier ist eher Ausdauer mit Klemm-Power gefragt. Durch die super Absicherung kann man hier einen so sorgenfreien Tag wie im Klettergarten genießen - mit ebenso genialen Metern.
Beim zweiten Versuch konnte Dirk die Länge gleich klettern, ich hatte dagegen meinen Durchhänger zum Schluß ;-) Egal, dafür lief die nächste Länge gleich rein: einem abgefahrenen Quergang direkt an der Dachkante. Dirk bereitet sich auf seiner Schaukel auf die Länge vor.

Nach dem Dach wirds flacher. Die steile Kletterei wechselt in wasserzerfressene Platten. Leider waren diese teilweise etwas dreckig, aber von trotzdem noch schön. Dirk war da teilweise anderer Meinung ;-)


Oben angekommen findet man sich in den Latschen wieder. Also wieder die Flip-Flops an und mit einem riesen Smile gehts zurück zum Rucksackdepot.



Facts
Die Nase [160m, 9+]
Urlkopf, Loferer Alm

Durchaus hoch gelobt, hält die Tour, was sie verspricht: steile, ausgesetzte und abgefahrene Kletterei. Bestimmt eine der eindrucksvollsten Touren bei "uns". Wegen der Bohrhakendichte steht einem entspannten Klettertag im Herbst nichts entgegen.

Material: 11-12 Expressen, Haulbag/Rucksack kann gut nachgezogen werden.

Topo: Panico - Steinplatte

19 September 2009

Oberreintal - Gonda, Schober

Pause(n)-Tag im Oberreintal. Fast vor der Haustür, aber seit vielen Jahren erlag ich dem Glauben, der Zustieg sein einfach zu lang für einen Tag oder fürs Wochenende. Doch lies ich mich vom Andi überreden, da er hier noch ein paar schnelle Pause-Punkte einsacken wollte. OK, dann mal zeitig ab nach Garmisch. Nachdem ich durch mein Verschlafen das Frühstück ausfallen lies, war ich über den kurzen Abstecher zum Bäcker recht froh. Hier stiegen wir auch gleich mal auf unsere Radl über und machten uns auf den Weg Richtung Partnachklamm. Gesperrt für Radler? Passt scho, so lang noch niemand im Häuschen sitzt. Wobei der morgendliche Trail durch die Klamm im Halbschlaf schon mal ein paar koordinative Fähigkeiten vorraussetzt. Dafür kamen wir nach guten 1 3/4h an der Hütte an, wo wir mit einem leicht verpennten "Moin, moin..." für diese Gegend "typischen" Gruß von den ersten Kletterern empfangen wurden. Hei, mi leckst am Arsch...
Kurz das Kletterzeugs umgebunden, dann gings auch schon in die Dom-Rinne. Ziel war Pause No. 1: Gonda.
Obwohl saniert, kamen richtig alpine Gefühle auf: nur an den Ständen und ein Zwischenhakl fand man im gebohrten Zustand vor. Der Rest bestand entweder aus Rostgurken oder aus der eigenen Schlosserei.
Es kamen sogar noch zwei die Rinne hoch - kaum zu überhören, bei den Steinsalven, die sie in regelmäßigen Abständen lostraten. Gut, dass wir hier oben hingen.
Die unteren Längen boten richtig schöne und steile Rissklettereien.
Andi auf dem markanten Pfeilerkopf, der schon von der Hütte aus sichtbar ist. Etwa eine halbe Länge kann man sich noch über schönen Fels freuen, ehe er teilweise in eine variablere Konsistenz wechselt.
Oben angekommen, breitet sich das schöne Oberreintal aus. Auch wir kamen endlich in den Genuß von den wärmenden Sonnenstrahlen.
Vor der Hütte zieren immer noch ein paar Buchstaben die Ebene. Hei, mi leckst am Arsch...
Hier wartet unser nächstes Pause-Ziel No. 2: Schober. Sie verläuft durch die steile Nordwand des Schüsselkarturms.
Doch zuvor kam noch der obligatorische und lästige Abstieg in die Quere. Dafür ist man auch gleich am Einstieg drüben. Und wieder ganz allein...
Die erste Länge war teilweise feucht, lies sich aber durch den rauhen Fels super Klettern. Ausserdem stieg hier die Bohrhakendichte deutlich an.
In steiler und genialer Kletterei gings zum wohl originellsten Standplatz der Alpen: dem Schober-Bankl.
Mmmh, wohl doch kein Bier mehr drin...?!? Andi wollts einfach nicht wahr haben ;-)

Egal. So gings nüchtern weiter um die Kante und weiterhin steil bis zum Ende.
Ausstieg erreicht? Nun noch eine kleines Entscheidungstraining: Abseilpiste runterschottern oder in leichter Kletterei auf den Gipfel und hinten runter. Wir zogen den Gipfel der Abseilerei vor.
Von unten hüllte der aufsteigende Nebel leider schon wieder die Hütte ein. Bevors aber wieder zurück ins Tal ging, legten wir noch einen kurzen Boxenstop für ein Radler ein. Leicht dehydriert zeigte schon dies seine Wirkung beim runterlaufen. Aber die abschliessende Hürde, der "Trail" duch die Klamm ging besser als in der Früh... :-)


Facts
Gonda [6+, 270m], Oberreintaldom
Schober [6+, 240m], Schüsselkarturm
Oberreintal / Wetterstein

Gonda
Nach dem Aufstieg durch die Domrinne wird man erstmal mit einer schönen, steilen Risskletterei belohnt. Erst oben wirds teilweise brüchig. Wohl öfters mal feucht, was den Spaßfaktor nicht gerade erhöht. Beim Abstieg vom Dom sollte man noch etwas die Augen offen halten, um die zahlreichen Abseilstellen zu finden. Der Großteil kann aber auch gut abgeklettert werden.
Material: ein Satz Rocks und Friends #1-3

Schober
Die steile, griffige Kletterei lohnt auf jeden Fall. Als noch keine Bolts die Tour schmückten, war sie bestimmt eine recht eindrückliche Aktion. Nun kann man ohne größeren Bedenken die Tour einfach genießen.
Material: evtl. ein Paar Rocks / Friends

Topo: Panico - Wetterstein Nord

Zustieg: entweder zu Fuß in gut 3h oder mit dem Radl in knapp 2h (runter in 1h :-) )

31 August 2009

Schlemmerrisse - Fleischbankpfeiler

Ohne weiteres konnte ich die Yvonne für die Schlemmerrisse am Fleischbankpfeiler gewinnen. Genau vor einem Jahr war ich in den Pumprissen unterwegs. Jetzt fehlten nur noch die Schlemmerrisse für das Quartett der klassischen Risse am Fleischbankpfeiler.

Über die Rebitschrisse gehts erstmal bis zum Abzweiger der Schlemmerrisse.

Kurz streifen uns ein paar Sonnenstrahlen. Yvonne in der der schönen, ersten Risslänge. Ab hier nimmt die Hakenanzahl von wenig auf noch weniger ab. Auch in diesem Teil des Pfeilers ein Hoch auf die Boltfreiheit.
Das markante, quadratische Dach, welches schon gut von unten sichtbar ist. In dieser Länge freut man sich durchaus über ein paar große Freunde, die einem gut unterstützen ;-)
Nach dem Dach, welches sich aber recht gut auflöst, folgt ein Riss in fast allen Breiten ;-)
Hier wird ein Stand mit dem von den Theaterrissen geteilt. Logischerweise klettert man auf dem Weiterweg erstmal die Theaterrisse ein Stück ab, bevor der richtige Abzweiger in eine schöne Verschneidung führt.


Ein feiner Riss mit teils interessanten Formationen führt vom Stand weg ins leichtere Gelände.


Gemeinsam mit den Theaterrissen gehts in den "letzten Akt". Eigentlich nur noch 6+, aber die folgenden 60m sind durchaus wieder mühsam - ehe die Sonne am Pfeilerkopf wieder genossen werden kann.
Gehfaul wie wir sind seilten wir über die "Spaß 2000" ab, statt den Abstieg über den Nordgrat anzutreten.


Facts
Schlemmerrisse (7+, 230m)
Fleischbankpfeiler, Wilder Kaiser

Eine richtig gute, aber auch anspruchsvolle Risstour die alles von Finger- bis Schulterriss bietet. Für die Sicherheit muss fast vollständig selber gesorgt werden. Bis auf einen Stand sind alle (in verbesserungswürdigem Zustand) vorhanden. Die Tour lässt sich etwas besser Absichern als die Pumprisse.

Material: 12 Expressen, 1 Satz Rocks, 1 Satz Friends WC #0.5 - 5, 60m-HS
Topo: Panico - Wilder(er) Kaiser

Von den vier Rissen am Fleischbankpfeiler sind die Rebitschrisse zwar von der Absicherung her am Anspruchsvollsten, dafür die leichtesten. Klettertechnisch etwas schwerer, aber gut zum Absichern sind die Theaterrisse und eine gute Eingewöhnung an die Schlemmer- oder Pumprisse. Persönlich fand ich die Schlemmerrisse vergleichbar mit den Pumprissen, nur besser zum absichern - und natürlich nicht so berühmt ;-)

30 August 2009

Diretissima - Predigtstuhl

Zusammen mit dem Caio starte ich bei noch frischen Temperatur nach der Kaltfront endlich mal wieder in den Kaiser. Während der Fahrt entschieden wir uns auf die Diretissima am Predigtstuhl - aber leider stellte sich auch herau, dass die Fahrt zur Wochenbrunner Alm und der Aufstieg übers Ellmauer Tor nicht gerade die Diretissima für den Zustieg ist...

Hier startet Caio in die erste Länge. Ach ja, man kann ihn etwa links unten erkennen...
Die zweite Länge erfreut den Kaiserkletter mit schönen runden Rissen zum selber absichern. Aber man trifft immer wieder auf einen geklebten Haken.
Die dritte Länge teilt sich die Tour zusammen mit der Bellissima. Übrigens auch ein super Kletterei, aber auch anspruchsvoller.
Die erste schwere Länge - mit den Schwierigkeiten gar nicht mal über das Dachl, sondern auf dem Weg dorthin... Aber fürchten muss man sich bei der Anzahl an Hakl kaum...
Caio gut gelaunt - endlich die wärmende Sonne...
...aber gleich gehts wieder in den Schatten.

Im Panico-Führer stimmt im Mittelteil die Bewertung kaum. Die übel anmutende Risslänge (feucht + brüchig?) sah irgendwie nicht nach 7- aus. Der Laktatpegel in den Armen lag dafür schon ganz schön hoch, der sich in der leistigen Schlüsselstelle noch steigerte...

Aber danach wurds wirklich leichter - und sonniger :-)
Als Zugabe führt der Schluss über das amüsante Oppel-Band und ganz allein konnten wir den Predigstuhl genießen. Liegt es an den kühleren Temperaturen oder warum ist's in den Wänden in der Steinernen Rinne so ruhig an einem solchen Tag?!? Egal, ist auch eh viel schöner so.



Facts
Diretissima (8, 230m)
Predigtstuhl, Wilder Kaiser

Steiler Klassiker durch die beeindruckende Westwand des Predigtstuhls. Als ehemalige Techno-Tour stecken ausreichend Hakl garniert mit Bolts, welche zusammen für einen schönen Kaisertag sorgen. Zwar wirkt der Fels teilweise etwas splittrig, aber er ist schon durchaus gut abgeklettert. Meistens ist der Fels aber schön kompakt.

Material: Satz Rocks und Friends, 10 - 12 Expressen.
Topo: Entweder ein Altes oder Neues aus dem Netz - beide passen bzw. Panico Wilderer Kaiser - stimmt eher weniger...

20 August 2009

Isère - Le Grand Serre

Die Gegend um Grenoble kannten wir beide fast nur als Knotenpunkt auf den Weg in den Vercors, Ecrins oder in den Süden. Der Rest war eher ein schwarzer Fleck auf unserer Karte.
Nach den Tagen im Ecrins wollten wir dann doch mal die Gegend südöstlich von Grenoble erkunden. Angesichts der Temperaturen waren die Seen bei Laffrey an der Route Napoléon schon mal ein guter Ausgangspunkt. Zudem haben wir uns noch zu Hause einen MTB-Führer vom Isére ausgeliehen in dem hier einige Touren zu finden sind...
So gings am nächsten Tag auf den markanten Le Grand Serre - wie oft sind wir hier schon vorbeigefahren und haben die Gegend bewundert...
Von den Seen gehts anfangs auf steilen und grobschottrigen Forstwegen über die Westseite direkt rauf bis zum Col du Parché.

Von hier wars nur noch ein kurzer Sprung bis zum Gipfel - mit dem Radl.
Blick zurück zur Meije - nächstes Jahr mit Ski???
Nach den Gipfelweiden...

...gehts über Forstwege und teils spannenden Trails wieder runter zur willkommen Abkühlung im See...
Um sich das ganze Mühsame raufschwitzen zu ersparen, wird in den Skigebieten inzwischen fleissig um die Gunst der Downhiller mit Bikeparks geworben.
Warum mal nicht mit dem VTT statt mit den Skiern in der Gondel rauf und wieder runterheizen? Sogar mit Anleitung und zum Ausprobieren...

Aber wenn schon nicht im Winter, dann auch nicht im Sommer ;-)

Facts
Rundtour Le Grand Serre (1500hm, 40km)
Isère

Auf einen markanten Berg mit dem Radl den man schön des öfteren auf der Fahrt von Grenobel nach Gap bewundert hat? Die Gegend lohnt auf jeden Fall für einen mehrtägigen Zwischenstopp auf den Weg in den Süden, wenn das MTB im Gepäck dabei ist.
Eine weitere lohnende Tour geht u.a. auf den Le Sénépy oberhalb von La Mure.

Führer: VTT en Isère
Karte: IGN 3336OT - La Mure

18 August 2009

Mazurka - Aig. Orientale du Soreiller

Unser dritter und letzter Tag im Massvie du Soreiller. Nach den beiden Vorhergehenden Tagen an der Aig. Dibona wollten wir nun mal der gegenüberliegenden Aig. Orientale du Soreiller einen Besuch abstatten.
Auch wenns für die Höhe nie besonders Kalt war - im Schlafsack wars in der Früh doch immer am wärmsten :-)
Der kleine Turm etwas links der Bildmitte mit dem Rütle Mazurka sollte es heute sein.
Schöne Risse und Platten im ersten Teil der Route. Jetzt läufts im Granit wieder ganz gut...
Zwar liesen sich die Risse durchaus super mobil absichern - mit den Bolts gehts aber auch und schneller ;-)
Der obere Teil steilt dann auf und teilweise erinnert die Kletterei an luftigen Dolomit.
Die westseite Wand ist wohl eher was für den Nachmittag? Zumindest wars auch am Gipfel an diesem Tag reichlich frisch...

Gemütlich wird über die Tour wieder abgeseilt...
...dann hocken wir bald wieder an unserem Biwakplätzchen. Jetzt stehen uns noch die 1200hm abstieg bevor. Im Winter mit Ski wärs bestimmt besser...



Facts
Mazurka (6a, 250m)
Aig. Orientale du Soreiller, Massive du Soreiller / Ecrins

Super Granitkletterei in moderater Schwierigkeit über Risse, Platten und steile Wände... Je nachdem, wie wohl man sich in dem Schwierigkeitsbereich fühlt, können ein paar Friends nicht schaden. Die Tour ist vor allem am Nachmittag zu empfehlen. Zwar ist man in dieser Wand wohl auch eher seltener allein, aber bestimmt herrscht hier weniger Andrang als an der Dibona.

Topo: Oisans nouveau, Oisans sauvage: Livre Ouest